Spuren aus einer dunklen Zeit

Zwei Oberstufenseminare des Ruperti-Gymnasiums besuchen wichtige Gedenkorte in der Region

 

Am Dienstag, den 27.7. unternahmen das P-Seminar Geschichte „Schüler führen Schüler“ von Christian Böhm und das W-Seminar Geschichte „Alltag im Nationalsozialismus im ländlichen Raum“ von Stefan Wolf zusammen mit Stadtarchivar Edwin Hamberger, der beide Seminare wissenschaftlich betreut, eine Exkursion zu Gedenkorten in den Landkreisen Mühldorf und Altötting.

Im Gedenkort Waldlager erschlossen sich die Teilnehmer*innen die Gefangenenunterkunft der KZ-Häftlinge, die sich im nahen Bunkergelände zu Tode arbeiten mussten. Edwin Hamberger zeigte anschaulich, wie sich ein überwachsener und von der Zeit überholter Ort mit Bildern und Geschichten von Menschen wieder lebendig machen lässt.

Weiter ging es nach Taufkirchen, wo die Gruppe im Wirtshaus Gallenbach vom Wirt und Sozialpädagogen Hilarius Häußler empfangen wurde. Er berichtete davon, wie er als „Eingeheirateter“ auf dem traditionsreichen Bauernhof nicht nur die Liegenschaften, sondern auch deren Geschichte übernommen hatte. Er und seine Frau stießen auf die Lebensgeschichte des jungen polnischen Zwangsarbeiters Stefan Duda, der von den Nationalsozialisten wegen seiner Liebe zu einem Bauernmädchen aus dem Dorf zuerst eingesperrt und dann in einem Exempel vor den versammelten Nazigrößen aus dem Landkreis hingerichtet wurde. Die Dorfbewohner*innen mussten bei diesem grausamen Schauspiel ebenfalls zusehen. In jahrelanger Arbeit wurde die Geschichte recherchiert und schließlich im Jahr 2014 auf Initiative des Ehepaars Häußler ein Gedenkstein am Waldesrand unweit der Hinrichtungsstätte aufgestellt. Häußler berichtete von seinem Ziel, Erinnerungen an eine schlimme Zeit wieder aussprechbar zu machen und Verletzungen, auch in der Dorfgemeinschaft, aufzuarbeiten. Er betonte, dass es dabei nie um Konfrontation, sondern immer um Einladung zur Aussprache gehen müsse.

In Burgkirchen an der Alz erwartete die Schüler*innen der dritte Erinnerungsort: Der Gedenkstein der ehemaligen „Ausländerkinderpflegstätte“ der Landkreise Mühldorf und Altötting, in der rund 160 Kinder von Zwangsarbeitern zur Welt kamen und dann unter unmenschlichen Umständen zu Tode gebracht wurden. Andreas Remmelberger, der zuständige Heimatpfleger, machte die beiden Seminare mit der grausamen Geschichte der „Kinderbaracke“ vertraut und zeigte das entstandene Denkmal. Anschließend brachte Andreas Bialas vom „Verein für das Erinnern“ die Schüler*innen zur Grabstätte für die 160 Kinder auf dem Friedhof in Burgkirchen und beschrieb eindringlich die Aufgabe, das Geschehene angemessen in der Erinnerung zu halten und den Kindern ein ehrendes Andenken zu bewahren.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war die Exkursion eine großartige Möglichkeit, über die Geschichte der Heimat zur Zeit des Nationalsozialismus zu lernen und Menschen zu treffen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Erinnern daran wach zu halten. Viele Gedanken zum richtigen Umgang mit der Geschichte und wie man sie anderen näherbringen kann begleiteten die Gruppe auf dem Heimweg.

Stefan Wolf

Interessante Links, für alle, die mehr zum Thema wissen wollen:

Edwin Hamberger, Stadtarchiv Mühldorf, https://www.muehldorf.de/k16-349-archiv.html
edwin(dot)hamberger(at)muehldorf(dot)de

Hilarius Häußler, Gallenbach, https://www.maier-gallenbach.de/author/hilli/
info(at)maier-gallenbach(dot)de

Alois Remmelberger, Burgkirchen, https://www.burgkirchen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=95&Itemid=277
alois(dot)remmelberger(at)burgkirchen(dot)de

Andreas Bialas, Burgkirchen, http://www.kz-gedenk-mdf.de/node/596
info(at)andreas-bialas-art(dot)com

 

 

Stadtarchivar Edwin Hamberger am Gedenkort Waldlager

 

Der Gedenkstein für Stefan Duda

 

Andreas Bialas zeigt den Schüler*innen die Grabstätte für die Kinder der sog. "Ausländerkinderpflegestätte" in Burgkirchen

 

Stefan Wolf