2021-09-30

Endlich wieder Kino!
Schul-Kino-Besuche der 10./8./9. Jahrgangsstufen im Rahmen der Biennale

Die Biennale Bavaria International Neuer Heimatfilm fand statt und wir waren dabei - am Mittwoch, den 15. September 2021 begann die 10. Jahrgangsstufe mit dem Besuch von "A Black Jesus", einem Dokumentarfilm über die Siculiana, einer Gegend in Süditalien, wo die Dorfbewohner die Statue eines schwarzen Jesus verehren und bei Prozessionen durchs Dorf tragen, doch die Menschen im Flüchtlingslager mit großem Misstrauen betrachten.

Es gelingt einigen Migranten aus Afrika, die Dorfbewohner zu überzeugen, sodass auch sie an der traditionellen Prozession teilnehmen und die Jesusstatue tragen dürfen - ein leiser Film über Vorurteile und ihre Überwindung durch Überzeugung und persönlichen Einsatz. Der Film war sehr gut verständlich, obwohl er im Original in großer Sprachenvielfalt mit deutschen Untertiteln war. Durch seine unkommentierte und authentische Darstellung der Geschehnisse erforderte der Film mündige Zuschauer, die die Interpretation selbständig leisten mussten, doch die 10.-Klässler zeigten sich dieser Aufgabe als gewachsen. Die Schüler*innen waren beeindruckt von der Kraft der Bilder und von der unaufdringlichen Hartnäckigkeit der Einwanderer. Originalstimmen: "Es war eine sehr tolle Erfahrung, vor allem, weil ich Filme dieser Art eigentlich privat nicht kucke und ich nicht gedacht hätte, dass er mich überzeugen kann." (M.W.); "Ich fand den Film gut, weil man sich in diese Menschen, die aus anderen Ländern fliehen mussten, viel besser hineinversetzen und sie verstehen konnte. Dadurch weiß man auch viel besser zu schätzen, wie schön es ist, eine Heimat zu haben, wo man sich wohlfühlt." (S.T.)


Weiter ging es am Donnerstag, den 16. September 2021 für die 8. Jahrgangsstufe mit "Land of Honey", einem bildgewaltigen Dokumentarfilm im türkischen Original mit Untertiteln über eine Imkerin, die ihre Bienenvölker im Grenzland zwischen Mazedonien und Türkei nach uralten Traditionen pflegt und dabei im völligen Einklang mit der Natur nie mehr Honig entnimmt als nötig, sodass die Bienenvölker der Imkerin treu bleiben. Es war quälend mitzuerleben, wie in diese karge aber heile und nachhaltige Kohabitation von Mensch und Natur eine kinderreiche Familie einbrach, die letztlich durch ihre hemmungslose egozentrische Verantwortungslosigkeit dieses Gleichgewicht im Handumdrehen zerstörte und in ihrer rücksichtslosen Gier jegliche ökologische Nachhaltigkeit vernichtete. Auch bei diesem Film wurde nichts kommentiert oder erklärt, die Kamera bildete die Schnittstelle zwischen den Handelnden und den Zuschauern, sodass jegliche Interpretation den Schüler*innen selbst bzw. den nachbereitenden Lehrern überlassen wurde, vielleicht für eine 8. Jahrgangsstufe noch eine leichte Überforderung, wie man an einigen Reaktionen in der Evaluation merkte, doch im Nachgang wurde das Dargestellte verständlich gemacht.


Freitag, der 17.09.2021, war der 9. Jahrgangsstufe gewidmet und erfüllte mit "Endstation Seeshaupt", einem Dokumentarfilm (mit Erklärungen) über den Todeszug jüdischer Strafgefangener und Zwangsarbeiter vom Lager Mettenheim bei Mühldorf nach Seeshaupt am Starnberger See ein Ziel des Lehrplans für Geschichte in der 9. Jahrgangsstufe (Drittes Reich und Erinnerungskultur). Die Botschaft des Films beeindruckte die Schüler*innen sehr - hier nur ein paar Stimmen aus der Evaluation: "Ein guter, weil notwendiger Film über schreckliche und entsetzliche Geschehnisse" (M.E.); "Und das bei uns! So nah!" (D.M.); "Ich finde es super, dass wir dieses Angebot bekommen haben, da ich in meiner Freizeit solch einen Dokumentarfilm wahrscheinlich nicht anschauen würde!" (S.H.); "Ich habe einige neue Dinge über meine Heimat gelernt." (P.O.). Allgemein fand man es gut, dass das Lernen insbesondere derart wichtiger geschichtlicher Themen, im Kino stattfinden kann.


Wir bedanken uns insbesondere bei Herrn Günther Knoblauch, der die Biennale veranstaltet hat und sich dafür eingesetzt hat, dass das Ruperti-Gymnasium Schüler-Veranstaltungen besuchen konnte zu sehr schönen Konditionen (nur 2 EUR Eintritt, Gutscheine für den freien Eintritt in das Geschichtszentrum Mühldorf und für McDonalds). Seiner rührigen Organisation verdanken wir auch den Auftritt einiger Schüler*innen in der Abendschau des BR-Fernsehens! Ihre Interviews kann man nachschauen in der Mediathek des BR.


Das Schlusswort überlasse ich ebenfalls einem der teilnehmenden Schüler aus der 10. Jahrgangsstufe: "Es war alles in allem ein schöner Start in das neue Schuljahr!" (Magnus N.)







Autor: Carola Wiesmeier, Schul-Kino