2018-11-23

Schüleraustausch zelebriert 100 Jahre Waffenstillstand in Frankreich

"Wir sollen an der Zeremonie am 11.11. teilnehmen!" Diese Nachricht verursachte uns im Vorfeld des Schüleraustauschs mit dem Collège du Beffroi in Billom einige Bauchschmerzen. Denn das bedeutete einen merklichen Einschnitt in das so geschätzte "week-end en famille", wo die Schüler normalerweise mit ihren Partnerfamilien intensive und individuelle Erfahrungen machen können.

Jedoch wurde die Teilnahme unserer Gruppe an diesem für die Franzosen so markanten Tag zu einem einzigartigen, sehr bewegenden Erlebnis. Zusammen mit ihren Austauschpartnern schlossen sich unsere Schüler*innen nebst ihren Lehrerinnen dem Festzug zu drei Krieger- und Soldatendenkmälern in Billom an. An einem von diesen legten eine französische Schülerin und ein Rupertianer gemeinsam einen Kranz nieder, gestiftet vom College du Beffroi und mit einem Spruchband versehen, das die Gefallenen beider Länder würdigte. Diese Würdigung fand ihren Höhepunkt abschließend in einer Darbietung, bei der die französischen Partnerschüler aus Briefen von Frontsoldaten an ihre Familien zitierten und eine unserer Schülerinnen eine kurze Passage aus dem Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque auf Deutsch vorlas.



Der darin enthaltene, zentrale Aufruf zur Brüderlichkeit und Völkerverständigung wurde am Ende der Zeremonie durch die von Beethoven vertonte "Ode an die Freude" von Friedrich Schiller musikalisch aufgegriffen.

Im Anschluss fanden sich einige Familien mit den Schülern zu einem Umtrunk im Rathaus ein, in dem wir schon am ersten Tag unseres Besuchs in der Auvergne vom Bürgermeister eingeladen worden waren.



Auch der letzte Tag des Schüleraustauschs war am Nachmittag von Aktivitäten im Sinne der Völkerverständigung geprägt. Zusammen mit dem ortsansässigen Künstler François Noël Martin erstellten zwei 9.Klassen mit den Austauschpartnern Collagen. Deren Basis waren Fotos, die deutsche und französische Kriegerdenkmäler zeigten sowie Gedenktafeln mit den Namen deutscher und französischer Gefallener. Unsere Schüler hatten schon im Vorfeld des Austauschs die Denkmäler ihrer Heimatgemeinden fotografiert und Frau Kaspar hatte die Dateien nach Frankreich geschickt. Die Gruppen stellten dann gemeinsam ihre Werke vor.

Selbstverständlich kam die Gruppe während des neuntägigen Austauschs vom 5. bis 13. November auch in den Genuss "klassischer" Programmpunkte:

Der Besuch der Käserei Gaec de l'Oiseau in St. Nectaire nebst ihrem Bauernhof mit dem Besuch aller darauf lebenden Tiere, die Führung durch die 200 Jahre alte Papierfabrik Moulin Richard de Bas in Ambert und die spannende Entdeckung des Innenlebens des Vulkans Lemptégy, die uns extreme Temperaturen bescherte, zum Leidwesen vieler Schüler*innen aber im Minusbereich. Außerdem lernten wir die einzigartigen Fontaines Pétrifiantes von St.Nectaire kennen, wo in 14 Meter hohen Treppen wunderbare Kunstwerke aus Kalkgestein gefertigt werden. Natürlich durften auch die großen Stadtführungen nicht fehlen. Das kleine, aber stark mittelalterlich geprägte Billom wurde uns gleich am ersten Tag gezeigt, am letzten Tag lernten wir noch Clermont-Ferrand mit seiner beeindruckenden Kathedrale aus Volvic-Gestein kennen.

Große Freude hatten die Schüler*innen und auch wir Lehrerinnen in diesem Jahr am gemeinsamen Schulbesuch im Collège. Die vorzügliche Kantine, der ungewöhnlich motivierende Schulgong und die sehr entgegenkommenden Lehrer*innen trugen wesentlich zu dem guten Eindruck bei. Die intensiven vorbereitenden Arbeiten von Frau Kaspar und ihrer Kollegin Madame Journeau im Hinblick auf die Bildung der deutsch-französischen "Pärchen" und auf das Programm trugen also in jeglicher Hinsicht ihre Früchte.

Eine besonders positive Überraschung war auch die äußerst engagierte Schulleitung in Billom. Mme Salcedo, die Direktorin, und Mme Ricour, ihre Stellvertreterin, zeigten durch ihre häufige Präsenz bei unseren Zusammenkünften und den herzlichen Empfang in der Schule, dass ihnen der Austausch sehr am Herzen liegt.

Wir traten die Heimreise nicht nur mit viel Käse im Gepäck an, sondern auch mit besonders schönen Eindrücken und mit der Vorfreude auf den Gegenbesuch der Franzosen im April.





Autor: Margit Forstner-Hirn